Wenn wir heute durch Instagram, LinkedIn oder die unzähligen Business-Blogs scrollen, könnte man manchmal den Eindruck bekommen, erfolgreiche Selbstständigkeit müsse vor allem eines sein: laut, sichtbar, permanent präsent und möglichst begleitet von einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte, die sich in fünf Slides erzählen lässt und selbstverständlich irgendwann bei fünfstelligen Monatsumsätzen, explodierender Reichweite oder dem berühmten „Ich habe einfach gemacht“ endet.
Je länger ich selbst beruflich unterwegs bin und je mehr Unternehmerinnen ich kennenlerne, desto weniger erkenne ich darin allerdings die Realität wieder, denn dort sehe ich Frauen, die seit zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren Unternehmen aufbauen, Kundinnen beraten, Probleme lösen, Verantwortung übernehmen, Fehlentscheidungen korrigieren und sich immer wieder auf Veränderungen einstellen, ohne daraus jedes Mal eine Erfolgsgeschichte für Social Media zu produzieren.
Viele dieser Frauen sind unglaublich gut in dem, was sie tun, ihr Wissen ist über Jahre gewachsen und trotzdem stellen sie irgendwann fest, dass fachliche Kompetenz allein heute nicht mehr automatisch dafür sorgt, dass andere überhaupt erkennen, wie gut sie sind, weil zwischen dem, was tatsächlich vorhanden ist, und dem, was davon online sichtbar wird, eine immer größere Lücke entstanden ist.
Vielleicht beschäftigt mich genau diese Lücke deshalb so sehr, weil ich sie aus meinem eigenen beruflichen Weg kenne.
Wenn ich heute zurückblicke, könnte ich daraus vermutlich eine wunderbar logisch klingende Geschichte machen, bei der ein Schritt ganz selbstverständlich zum nächsten geführt hat, nur wäre das eben nicht die Wahrheit.
Fast zwei Jahrzehnte Zielgruppenforschung haben meinen Blick dafür geschärft, wie Menschen denken und entscheiden, welche Bedürfnisse hinter ihrem Verhalten liegen und warum dasselbe Angebot bei einer Zielgruppe hervorragend funktionieren kann, während es bei einer anderen vollkommen vorbeigeht. Später habe ich dieses Wissen in meinen eigenen Selbstständigkeiten eingesetzt, unter anderem im Immobilienmarketing, im Home Staging und in der digitalen Präsentation von Angeboten, hinzu kamen meine Qualifikation als Digital Media Producerin, Gestaltung, digitale Medien, Marketing und schließlich die intensive Beschäftigung mit künstlicher Intelligenz.
Auf dem Papier mögen das unterschiedliche Stationen sein, für mich gehören sie inzwischen ziemlich logisch zusammen, denn eigentlich zieht sich eine Frage durch fast alles, was ich gemacht habe: Wie müssen Wissen, Ideen und Angebote übersetzt werden, damit sie bei den Menschen ankommen, für die sie gedacht sind?
Bei mir kommt allerdings noch etwas hinzu, das mein Tempo, meine Neugier und vermutlich auch einige Abzweigungen meines beruflichen Weges ziemlich gut erklärt: ADHS.
Wenn von ADHS die Rede ist, denken viele zunächst an Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit oder Chaos, und natürlich kenne ich diese Seiten ebenfalls, aber sie beschreiben eben nur einen Teil davon.
Wenn mich ein Thema wirklich interessiert, kann ich mich mit einem enormen Tempo hineingraben, und ehe ich mich versehe, sind 60 Browsertabs geöffnet, aus einer ursprünglichen Frage sind fünf weitere entstanden und ich bin gedanklich längst drei Schritte weiter, weil ich Zusammenhänge sehe und Dinge miteinander verbinde, die zunächst vielleicht überhaupt nicht zusammengehören.
Ich springe vom Marketing zur Psychologie, von dort zur Zielgruppenforschung, weiter zur visuellen Kommunikation und plötzlich zur KI, und während das von außen vielleicht etwas ungewöhnlich aussehen mag, entstehen genau an diesen Schnittstellen häufig meine besten Ideen. Wo jemand eine Lösung sieht, sehe ich manchmal fünf Varianten und drei mögliche Weiterentwicklungen, und gerade im Unternehmertum ist dieses vernetzte Denken für mich längst eine Stärke geworden, weil ich Muster schnell erkenne, mich intensiv in neue Themen einarbeiten und Wissen aus unterschiedlichen Bereichen miteinander verbinden kann.
Diese Geschwindigkeit braucht manchmal Struktur, damit aus vielen guten Ideen am Ende auch etwas Fertiges entsteht, aber genau dieses schnelle Erfassen, Verbinden und Weiterdenken ist heute ein wesentlicher Teil meiner Arbeitsweise.
Und trotzdem schützt auch Technikaffinität nicht davor, irgendwann mit dem Kopf auf einem Berg aus Notizen zu landen.
Ich habe mir auf meinem Weg unglaublich viel selbst erschlossen, recherchiert, ausprobiert, verworfen und neu gedacht, und wahrscheinlich konnte ich gerade deshalb so viel lernen, aber ich habe dabei auch verstanden, wie anstrengend es ist, jeden einzelnen Schritt allein herausfinden zu wollen. Wenn das schon für eine technikaffine Frau gilt, die Spaß daran hat, neue Programme auszuprobieren und sich stundenlang in ein Thema hineinzufuchsen, wie muss sich diese digitale Welt dann erst für eine Unternehmerin anfühlen, die eigentlich ihr Unternehmen führen möchte und überhaupt keine Lust darauf hat, nebenbei auch noch Website, Social Media, Content, SEO, KI und jede neue Plattform zu studieren?
Vielleicht ist genau daraus irgendwann mein Wunsch entstanden, für andere Frauen eine Brücke zu bauen, die ich mir an manchen Stellen selbst gewünscht hätte.
Und aus all diesen Ideen, Querverbindungen und beruflichen Erfahrungen ist mit DiViPo irgendwann genau der Ort entstanden, an dem für mich vieles zusammenkommt – und aus gedanklicher Vielfalt eine klare Richtung wird.
Marketingstrategie beginnt für mich nicht mit der Frage, was wir morgen posten, sondern bei den Menschen, die wir überhaupt erreichen wollen: Wer sind sie, was brauchen sie, was beschäftigt sie, wie treffen sie Entscheidungen und weshalb sollte ein Angebot gerade für sie relevant sein?
Genau dort schließt sich für mich der Kreis zu meinen vielen Jahren in der Zielgruppenforschung, denn dort habe ich gelernt, nicht nur darauf zu schauen, was Menschen sagen, sondern verstehen zu wollen, warum sie so entscheiden. Positionierung, Content und Sichtbarkeit brauchen für mich deshalb zuerst eine Richtung, bevor wir anfangen, einzelne Marketingmaßnahmen abzuarbeiten.
Die Brückenbauerin kommt unmittelbar danach, denn auf der einen Seite sehe ich Unternehmerinnen, die vielleicht seit zwanzig Jahren hervorragend in ihrem Beruf sind und deren wertvollstes Wissen in ihrem Kopf, ihren Kundengesprächen und ihrer täglichen Arbeit steckt, während auf der anderen Seite eine digitale Welt mit Websites, Social Media, Content, Automatisierung und KI steht, deren Sprache ihnen teilweise vollkommen fremd erscheint.
Meine Aufgabe sehe ich darin, diese beiden Welten miteinander zu verbinden, nicht indem eine Unternehmerin plötzlich zu einem vollkommen anderen Menschen werden soll, sondern indem wir herausfinden, was längst vorhanden ist, worin sie richtig gut ist und wie wir genau diese Erfahrung so übersetzen können, dass andere sie auch online erkennen.
Genau an diesem Punkt setzt auch mein Sichtbarkeits-Check an: Er hilft dabei zu erkennen, was bereits klar sichtbar wird und wo gewachsene Expertise online noch nicht richtig ankommt.
Und schließlich die KI-Dirigentin, ein Begriff, der tatsächlich aus meiner eigenen Arbeitsweise entstanden ist, denn ich arbeite längst nicht mehr einfach mit „der einen KI“. Ich entscheide, welches Werkzeug für welche Aufgabe geeignet ist, lasse recherchieren, analysieren, strukturieren, hinterfragen oder visualisieren, gebe die Richtung vor, prüfe die Ergebnisse und führe die einzelnen Teile wieder zusammen.
Eine Dirigentin muss schließlich nicht jedes Instrument selbst spielen, aber sie sollte wissen, wann welches gebraucht wird.
Genau dieses Prinzip übertrage ich auf die Arbeit mit Unternehmerinnen, allerdings nicht, indem ich ihnen mein eigenes KI-Orchester überstülpe, sondern indem wir zuerst auf die Frau schauen: Was kann sie besonders gut, was macht sie gerne, welche Aufgaben gehören unbedingt in ihre Hände, weil dort ihre Persönlichkeit, Erfahrung und besondere Stärke liegen, und wo verliert sie dagegen Zeit und Energie für Dinge, die ihr weder liegen noch den eigentlichen Wert ihrer Arbeit ausmachen?
Erst dann wird KI interessant, denn bei der einen kann sie Gedanken sortieren und Content vorbereiten, bei einer anderen Recherche oder Angebotsvorbereitung erleichtern und bei einer dritten dabei helfen, ihr über Jahre angesammeltes Wissen überhaupt erst zu strukturieren.
Für mich geht es deshalb nicht darum, möglichst viel an KI abzugeben, sondern das Richtige abzugeben und das Wertvolle bei der Unternehmerin zu lassen.
Genau deshalb gehören meine drei Rollen für mich zusammen: Als Marketingstrategin schaue ich darauf, wen wir erreichen wollen und warum, als Brückenbauerin übersetze ich gewachsene Offline-Expertise in die digitale Welt und als KI-Dirigentin suche ich nach den Werkzeugen, die genau diese Frau unterstützen, ihre Stärken verstärken und ihr Arbeit abnehmen können, ohne ihr das aus der Hand zu nehmen, was sie selbst besonders gut kann.
Dieser Blog wird sich mit Marketing, Positionierung, digitaler Sichtbarkeit, Content, KI, Mindset und all den Dingen beschäftigen, die ich im Zusammenhang mit Unternehmertum interessant und teilenswert finde, aber mich interessieren dabei nicht nur Methoden und Werkzeuge, sondern vor allem die Frauen dahinter.
Und zwar nicht ausschließlich diejenigen, deren Unternehmen bereits perfekt läuft und deren Erfolgsgeschichte inzwischen so sauber aufbereitet wurde, dass sie auf jede Business-Bühne passt, sondern gerade auch die Unternehmerin, die mittendrin steckt, die etwas aufgebaut hat und trotzdem manchmal kämpft, die ihr Geschäftsmodell verändern muss, nach einer schwierigen Phase wieder beginnt oder sich mit fünfzig oder sechzig noch einmal an etwas Neues wagt.
Wir feiern gern das Ergebnis, aber sehr viel seltener die Kreativität, Ausdauer, Anpassungsfähigkeit und manchmal auch die verdammte Hartnäckigkeit, die nötig waren, überhaupt bis dorthin zu kommen.
Genau deshalb wird es hier auch die Rubrik „Starke Frauen. Echte Geschichten.“ geben, nicht als Sammlung glattpolierter Erfolgsporträts, sondern als Platz für Unternehmerinnen mit Ecken, Umwegen, Erfahrungen, Ideen und Mut.
Je älter ich werde, desto weniger glaube ich, dass Stärke etwas mit Lautstärke zu tun hat, denn eine Frau kann sehr präsent sein, ohne laut zu sein, sie kann eine klare Haltung haben, ohne jeden Tag ihre Meinung ins Internet zu stellen, und sie kann ein hervorragendes Unternehmen führen, ohne daraus eine persönliche Marke machen zu müssen, bei der jeder private Gedanke irgendwann zum Content wird.
Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, erfahrenen Unternehmerinnen ständig zu erzählen, was sie noch alles lernen, machen und werden müssen, und stattdessen häufiger hinschauen, was längst vorhanden ist.
Denn manchmal fehlt nicht die nächste Strategie, der nächste Kurs oder das nächste Tool, sondern ein klarer Blick auf die Schätze, die sich über viele Jahre angesammelt haben, eine Brücke, über die dieses Wissen in die digitale Welt gelangen kann, und ein gut dirigiertes Zusammenspiel aus Mensch und Technik, das nicht noch mehr Arbeit produziert, sondern an den richtigen Stellen Arbeit abnimmt.
Und vielleicht ist genau das die Art von Sichtbarkeit, um die es mir geht: eine, bei der eine Frau nicht lauter werden muss, um gesehen zu werden, sondern klarer zeigen kann, was längst in ihr steckt.
Im Übrigen: Wenn mir die KI-Tools hier bei WordPress melden, dass meine Sätze zu lang seien und ich sie doch bitte kürzen solle, muss ich ein bisschen schmunzeln, denn mein Schreibstil war schon immer so, und ich werde einen Teufel tun, ihn jetzt zu ändern, nur weil irgendein Tool offenbar beschlossen hat, die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches zum neuen Maßstab für menschliche Lesbarkeit zu erklären.